SPARK ART FAIR Vienna: Booth A4

Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Vienna, 20 - 23 März 2025 
Booth A4

Linus Rauchs künstlerische Praxis erforscht Beziehungen - zwischen Materialität, Emotionen und Erinnerung; zwischen Denken und Sinneserfahrung; zwischen Malerei und Architektur. Obwohl sie vielfältige Formen annimmt, sind seine Arbeiten durch eine suggestive Mehrdeutigkeit und subtile Sinnlichkeit miteinander verbunden.

Unsere Präsentation auf der diesjährigen Spark Art Fair Wien vereint eine architektonische Intervention und, mit Divan (2024) und Victoria (2023), zwei aktuelle Werkserien.

Wir alle sehnen uns nach einem Fundament, nach Vertrautheiten, nach sicherem Boden - physisch, psychisch und philosophisch. Und obwohl wir tief im Inneren wissen, dass jede Stabilität allenfalls vorübergehend ist, ist das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, eine desorientierende Erfahrung.

Untitled (Hommage à Toroni) übernimmt die Struktur des Messestands, indem es dessen Boden und Wände bedeckt. Die Intervention aus schwarzen Vinylquadraten ist eine Hommage an die beharrliche Praxis des Schweizer Minimalisten Niele Toroni. Doch in Rauchs Arbeit sind die Quadrate nicht nur nicht gemalt, sie folgen auch einem anderen Muster. Größe und Positionen leiten sich direkt von einem architektonischen Element ab - achteckige Fliesen mit quadratischen Einlagen, die Teil eines Bodens sind, den Rauch entdeckte, während er ein anderes Ausstellungsprojekt vorbereitete.

Kurz darauf begann ihm, in einer Art Frequenzillusion, dieses Muster immer wieder zu begegnen: unter anderem im Theseustempel in Wien, auf einer Fotografie von Jane Birkin (aufgenommen von Jean-Claude Deutsch), in einem Café in Vietnam, in einer Latex-Abformung von Heidi Bucher, in einem Fußbodenmosaik einer zwei Jahrtausende alten römischen Villa und in der Wohnung seiner Großmutter.

Als Bodenornament organisieren diese kleinen Quadrate einen Raum.

In einen anderen Kontext übertragen, untergraben sie ihn eher.

Desorientierende Erlebnisse können das Selbstbild und das Verhältnis zur Welt verändern - sie können, sobald der Schwindel abgeflaut ist, auch den Geist öffnen, festgefahrene Überzeugungen zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu sehen.

Victoria ist eine Werkgruppe, die diesen Gedanken auf andere Weise verkörpert. Die kleinformatigen Arbeiten verwenden verkohlte Parkettbretter, die Rauch von einer Baustelle gerettet hat - einer Renovierung, die nach einem Brand in Berlins Victoria Bar notwendig wurde. Einst Teil ihres Bodens, tragen die Eichenstücke nun Spuren malerischer Gesten: Hinterlassenschaften unzähliger flüchtiger Momente intensiver Nachtlebenjahre, die Brandspuren des Feuers, die Handgriffe der Arbeiter, die sie entfernten, und schließlich die Eingriffe des Künstlers.

Für Divan schnitt Rauch Polsterstoff aus zurückgelassenen Sofas, die er im Januar und Februar 2024 auf Spaziergängen in Berlin fand. Die gesammelten Textilien wurden professionell gereinigt und zu durchgehenden Bahnen vernäht, die dann wie Gemälde auf Keilrahmen gespannt wurden.

Der Titel der Werke kann als Anspielung auf Freuds analytische Couch verstanden werden, die - weil sie keine feste Körperhaltung vorgibt - eine gewisse Instabilität und einen Kontrollverlust erzeugt, um Assoziationen und Fantasien freien Lauf zu lassen.

Text von Irina Zamfirescu